Susanne Nocke: Mein Blick auf Zollverein

(c) Susanne Nocke

Auf der Arendahlswiese war ich zu meiner Schulzeit im Schulzentrum Stoppenberg nahezu jeden Tag auf dem Fahrrad unterwegs. Rechts und links von mir das „Niemandsland“: Betreten streng verboten. Dass ich Jahre später dort kulturell unterwegs sein würde, hätte ich mir nicht träumen lassen.

Kulturell aktiv bin ich in der Förderung der bildenden Kunst für Kinder und Jugendliche im Stadtbezirk und darüber hinaus mit meinem Kunst-Projekt Farbtopf®. Besonders in den Sommerferien ist das Gelände zwischen Gelsenkirchener Strasse und den Bahngleisen der Köln-Mindener-Eisenbahnstrecke ein Erlebnispfad der besonderen Art. Mit dem voller Künstlermaterialien gefüllten Bollerwagen geht es auf’s Gelände. Eindrücke werden skizziert, coloriert um anschließend zu kleinen Kunstwerken gestaltet zu werden.

Meine eigene künstlerische Arbeit rund um Zollverein findet sich in Kohle-, Pastell und Aquarellarbeiten wieder: Mein Zollverein-Triptychon, seinerzeit angefertigt für das Herbstkonzert im Bezirk VI, wurde zu verschiedenen Anlässen auf Zollverein und im Stadtgebiet gezeigt. Es zeigt die Schächte I, II und XII aus ungewohnten Perspektiven: I und II aus der Froschperspektive bzw. mit einem „Röntgenblick“. Störende Elemente wie Bäume und Gebäude ließ ich weg und stellte so den Schacht frei. Schacht XII ist in der rückwärtigen Perspektive zu sehen. So ist auch Halle 12, die Kulturhalle, in enger Verbindung zum Förderturm gestaltet.

Seit Frühjahr 2013 hat mein Zollverein-Triptychon ein neues Zuhause: Bei der Spendengala zugunsten georgischer Kinder im GOP Essen verliebte sich eine junge Frau spontan in meine Zollverein-Arbeiten. Ohne die Entscheidung ihres Freundes abzuwarten, erwarb sie die Arbeiten. Heute schmückt Zollverein das Wohnzimmer dieser jungen Familie in Mülheim!

Zu dieser Aquarellarbeit sowie den Pastellarbeiten des Kunst-Schachtes auf Zollverein wurde ich bei einer Ausstellungseröffnung inspiriert: Während der Einführung in die Arbeiten des Katernberger Künstlers Franz Hillmann brach sich das Sonnenlicht seinen Weg durch die weinberankten Fenster. Eine mystische Atmosphäre erfüllte den Raum und ich hatte Mühe den Einführungen zu folgen. Ich wollte diesen Moment nur malen!

Natürlich hatte ich kein Material dabei, also verabredete ich mit dem Ehepaar Rother einen Termin, um dies nachzuholen. Zum vereinbarten Termin hatte sich aber vieles verändert: Das Weinlaub hatte die Farbe weiter geändert, das Licht war natürlich nicht mehr so wie am Eröffnungstag: Schlechte Voraussetzungen also. Ich skizzierte die Situation, machte Fotos und legte im Atelier alles in eine Ecke. Mir fehlte der Mut das Bild so zu gestalten, wie ich die Situation gefühlt hatte.

Während einer Bronchialerkrankung fasste ich neuen Mut: Das Bild „Fenster im KUNST-Schacht“ entstand. Meine Sorge war umsonst gewesen! Das Werk findet bis heute großen Gefallen und ist das einzige Bild, das ich bisher in die Reproduktion gegeben habe. Denn, das Original gebe ich nicht aus der Hand!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *