Jahresauftakt mit Hörspielen und Kunststücken

(c) Peter Lippsmeier / Stiftung Zollverein

(c) Peter Lippsmeier / Stiftung Zollverein

Man stelle sich vor: Das neue Jahr hat noch gar nicht richtig angefangen und MEIN ZOLLVEREIN ist  schon voll in Fahrt! 25 Menschen haben sich zu den am 2. Januar startenden Workshops angemeldet.  Die Jüngste, Nathalie David, zarte 15 Jahre alt. Die beiden Ältesten, Alfred Beyer und „Fritzchen“ Heske, – Jahrgang 1927 – stolze 86 Jahre alt.

MEIN ZOLLVEREIN hatte interessierte Menschen aus dem Stadtbezirk VI eingeladen, an zwei kreativen Workshops teilzunehmen: MEIN HÖRSPIEL und MEIN KUNSTSTÜCK.  In diesen Workshops sollten persönlich erlebte MEIN ZOLLVEREIN-Geschichten unter Anleitung von Künstlerinnen, Medienprofis und Medientrainern als akustisches Erlebnis bzw. als „Kunststück“ eine Entsprechung finden.

Alle werden bestätigen: Diese gemeinsamen drei bis vier Tage in der ersten Januarwoche wird so schnell keiner vergessen! Selten wurde ein so intensiver und konstruktiver  generationsübergreifender Austausch erlebt. Danke an Alle für die tolle Zusammenarbeit!

MEIN HÖRSPIEL

Um bekannte und vergessene Geräusche, akustische Bilder und Kino für´s Ohr ging es in MEIN HÖRSPIEL. An welche Stimmen und Klänge rund um Zollverein erinnern wir uns? Unvergessen bleibt die rumpelnde Werksbahn oder das Quietschen der 107 in Kurvenlage wie auch das Klingeln der unzähligen Fahrradklingeln in der Bullmannaue bei der Einfahrt auf das Zollverein-Gelände zum Schicht-Anfang oder zum Schicht-Ende. Aber wie nun klingt ein schiefes Haus? Wie hören sich Bergsenkungen an? Klar, da rollt der Bleistift vom Küchentisch und die Gläser hüpfen bei der nächsten „Senkung“ bzw. Erdbewegung aus dem Regal.  Lange her und doch für viele eine vertraute Erinnerung. Komplizierter ist es da schon, eine „Zechenmauer“ als Höreindruck zu vermitteln.

(c) Peter Lippsmeier / Stiftung Zollverein

(c) Peter Lippsmeier / Stiftung Zollverein

In dem Workshop ging es darum, die Geschichten der Teilnehmer in ein Hörspiel zu übersetzen. Die Geschichte von Jörg Schmitz zum Beispiel spielt direkt an der Zechenmauer in der Kraspothstraße 22 in Schonnebeck. Michael Zamhöfer, ein junger Poet aus dem Bezirk, entwickelte dazu sofort eine Idee. Er schrieb ein Zechenmauern-Gedicht für die Geschichte von Jörg:  „Gelsenkirchener Straße bis Köln-Mindener, verstaubte Mauern, – aber Augen auf schau hinter – die Fassade. Abenteuer warten auf die Kinder. Wer durchquert das verbotene Gebiet? (…) Von famoser Phantasie beflügelt überwind ich Mauern aus Backstein. Eigentlich sollte ich um acht heim, doch ich bleib und steig in den Schacht ein (…).“ Soweit ein kleiner Vorgeschmack. Das vollständige Gedicht wird live bei der Buchpräsentation im Februar zu hören sein.
Zehn Hör-Geschichten sind nun in der Nachbearbeitung. Adrian Pflug und Hella Sinnhuber haben den Workshop geleitet. Der Multiinstrumentalist Jonas Nondorf liefert Sounds für die Geschichten und der bekannte Geräusche-Sammler Richard Ortmann hat traumhafte Sequenzen von Hängebänken, Schrämmaschinen und Grubenfahrten zusammengestellt, die dann demnächst hier in den Geschichten zu hören sein werden.

MEIN KUNSTSTÜCK

Foto: Peter Lippsmeier / Stiftung Zollverein

Foto: Peter Lippsmeier / Stiftung Zollverein

Um hörbare Bilder ging es kurioserweise zum Teil auch in MEIN KUNSTSTÜCK. Die Künstlerin Diana Wesser begab sich mit den MEIN ZOLLVEREIN-Erzählern auf Spurensuche in die Stadtteile. Das Geburtshaus von Friedel Bolus in der Theobaldstraße, der Imbuschweg 4, die St. Joseph Kirche, das St. Vincenz Krankenhaus und auch die Kokerei Zollverein spielten dabei eine Rolle. Elmar Brückner, der als ehemaliger Lokführer auch die Kokerei anfuhr, vergegenwärtigte sich dabei den Klang seine drei Lebensphasen vor Ort: das laute Berufsleben an der Kokerei, der Klang der Kulturhauptstadt-Eröffnung im Januar 2010, bei der er als RuhrVolunteer dabei war, und die Stille des Ortes während der Begehung. Aus der Spurensuche im Stadtbezirk IV entsteht nun eine Karte, mit der man später selber auf Entdeckungsreise gehen kann. Bei Hausnummer 4 darf man dann auch klingeln!

(c) Sonja Grimm

(c) Sonja Grimm

Mit anderen Kreativtechniken hat die Künstlerin Sonja Grimm mit ihrer MEIN KUNSTSTÜCK-Gruppe und den jeweils persönlichen Geschichten gearbeitet. Viele kreativ-praktische Übungen, Skizzen und Gedanken über Bilder, Formen und Farben führten am Ende zu individuellen Bildern. Sie zeigen Erinnerungen rund um Zollverein, die weitaus farbiger sind, als das staubige Zechenimage vermuten lässt. Mit Hilfe von Collage-Techniken wurden Erinnerungsstücke, Zeitungsausschnitte und Fotografien zusammengefügt und mit so genannten „Frottagen“, das sind abgeriebene Oberflächen – zum Beispiel von einem Mauerwerk oder einem Fußweg  – aus der gemeinsamen Ortsbegehung ergänzt. MEIN ZOLLVEREIN wurde dabei zum Impulsgeber für die sinnliche Aufarbeitung von Erinnerung.

2 Gedanken zu „Jahresauftakt mit Hörspielen und Kunststücken

  1. Friedel Bolus

    Hat riesig Spass gemacht der Workshop mit Diana Wesser mein altes Katernberg zu erkunden und dies in Lyrischer Schrift wiederzugeben

    Antworten

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